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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Botox ist das halbe Lächeln

September 2018

Da habe ich doch neulich in einer Frauenzeitschrift etwas ganz Freches gelesen: Bei Frauen soll sich ab etwa vierzig angeblich entscheiden, ob sie Kuh oder Ziege werden. Salopp gesagt also, ob sie mit zunehmendem Alter eher etwas fülliger werden oder dürr. Ich will nicht verraten, wie alt ich bin, aber ich machte mir trotzdem Sorgen. In erster Linie natürlich um meine Freundinnen. Sie meckern zwar schon, seit ich sie kenne, aber rein äußerlich hatte sich das bisher noch nicht bemerkbar gemacht. Wenn sie schon ständig vom Leder zogen, sollten sie nicht auch so aussehen. Bei Leder kam mir allerdings die Idee, gut gepflegt soll es ja noch nach Jahrzehnten wie am ersten Tag aussehen. Also stellte ich erst einmal Übersichten mit den Vor- und Nachteilen von Milch, Creme, Fett, Öl und Balsam zusammen. Unter welchen Aspekten ich auch filterte, ich kam immer wieder zu dem Schluss: Die einen sagen so, die anderen so. Als ich dann noch in einer Expertenzeitung las, dass diese ganzen Oberflächenbehandlungen im wahrsten Sinne des Wortes oberflächlich seien, war mir klar, dass ich nach einer anderen Methode suchen musste. Mit Facelifting allerdings würde ich bei meinen Freundinnen wohl kaum punkten dürfen. Obwohl man bei dieser Gelegenheit vielleicht sogar die Verschlagenheit aus Susis und das Mürrische aus Gerdas Gesicht gleich mit entfernen könnte. Irgendwie kam ich jedoch auf das von so vielen gepriesene Wundermittel Botox. Einfach, schnell und sicher sollte es sein, so jedenfalls die Versprechungen. Die Falten im Gesicht sollten für Monate stark reduziert, manchmal auch ganz beseitigt werden. Mein Testballon in der Kaffeerunde stieß erst einmal auf komplette Ablehnung. Sieh dir doch einmal die versteinerten Masken und die aufgespritzten Lippen an Hermine, bekam ich zu hören. Dabei hatte ich erst einmal nur vorfühlen wollen, ob wir unsere Gesichter bei einer kleinen Botox-Party nicht ein kleines bisschen auffrischen wollen. Dann eben durch die Hintertür, schließlich wollte ich nur Gutes tun. Ich lud zu Kaffee und Kuchen bei mir ein, beides hatte ich leicht mit Botox versetzt. Wir hatten einen herrlichen Nachmittagsklatsch, am nächsten Tag jedoch kam das Grauen. Susi hatte Plusterbacken und bekam den Mund nicht mehr zu, Gerda war rückwärtig so gepolstert, dass sie sich tagelang nicht setzen konnte und auf dem Bauch schlafen musste und Luise kam in keinen Schuh mehr rein, von mir einmal ganz abgesehen. Mein Mittelchen hatte sich also bei jedem seinen eigenen Weg gesucht und vor Ort seine volle Wirkung entfaltet. Über die Ursache schweige ich eisern, zum Glück denken meine Freundinnen, sie hätten allergisch auf mein Kuchenmehl reagiert. Glück im Unglück also für mich! So richtig hatte ich mit Botox allerdings noch nicht abgeschlossen: Wenn es gegen Falten wirkt, dann könnte ich es ja künftig bei meiner Wäsche einsetzen. Da kommt es nicht auf eine langfristige Wirkung an, aber ich spare mir dann das Bügeln.