background

Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Mein Feuermelder spinnt

Juli 2018

Das erste Mal passierte es nachts. Ich träumte gerade davon, wie ich ein riesengroßes Auto in eine kleine Parklücke einparken sollte. Komischerweise piepte meine Einparkhilfe immer an der falschen Stelle, sodass ich ständig das Lenkrad korrigieren musste. Das wiederum führte zu lauten Schürfgeräuschen am Blech, wahrscheinlich an den Autos vor und hinter mir. Dazu kam dann noch ein fürchterliches Wummern, als ob mir jemand vor lauter Ärger aufs Autodach schlug. Schweißgebadet erwachte ich und wollte schon tief durchatmen, weil es nur ein Traum war. Aber das Piepen und das Wummern gingen weiter. Letzteres entpuppte sich als mein Nachbar von oben, der heftig an die Tür schlug und sich über das Piepen beklagte. Seit einer Stunde ginge das schon und er müsse morgen früh raus. Als Übeltäter entpuppte sich mein Rauchmelder, der grundlos seine Arbeit verrichtete. Wir nahmen die Batterien raus - damit war erst einmal Ruhe. Damit war es jedoch noch nicht genug - es ging fröhlich so weiter. Am nächsten Tag kam ich vom Einkauf zurück, da stand der Hausmeister in meiner Wohnung und schraubte am Brandmelder herum. Er hatte im Treppenhaus das Piepen gehört und geklingelt. Da niemand öffnete und er auch keinen Ersatzschlüssel dabei hatte, brach er die Tür auf, um größere Brandschäden zu verhindern. „Jetzt ist alles wieder gut“, sagte er zu mir. „Nur die Reparatur der Tür dauert noch ein bisschen, die Handwerker haben derzeit volle Terminkalender. Bis dahin mache ich Ihnen aber ein Spezialschloss davor.“ Was sollte ich tun? Wenigstens ist Ruhe an der Brandmelder-Front, dachte ich mir. Aber weit gefehlt - als ich am nächsten Tag nach Hause kam, sah ich, wie die Feuerwehr gerade über den Balkon in meine Wohnung stieg. Das Spezialschloss an meiner Eingangstür hatten sie nicht aufbekommen. Mein Feuermelder hatte Alarm in der Wache ausgelöst und die Truppe war zum Löschen ausgerückt. Durch Zufall kam ich ein paar Tage später dahinter, wem ich das alles zu verdanken hatte. Mein sechzehnjähriger Nachbar Justin hatte eine Alarm-App entwickelt und wollte diese erst einmal bei anderen Leuten testen, um sich selbst keinen Ärger einzuhandeln. Und das Opfer war nun diesmal ich. Erst wollte ich ihm eine Standpauke halten, aber dann entschied ich mich, ihn zu loben. Erstens, weil ich mich immer freue, wenn sich junge Leute mit sinnvollen Sachen beschäftigen. Und zweitens, weil er mit seiner Entwicklung bewiesen hatte, dass nicht jeder Justin ein Kevin ist.