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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Die besten Klöße der Welt

Mai 2018

Ich weiß gar nicht, wer die Rede auf das Thema Klöße gebracht hatte. War sicher eine meiner Mitstreiterinnen beim wöchentlichen Kaffeekränzchen. Jedenfalls behauptete die Ilse, niemand könne so gute Klöße machen wie sie. Die Hoorischen, auch Grumbeer-Spatze oder Schlemmbade genannt, seien einfach nicht zu toppen. Na, komm mal runter, sagte Moni. Wenn Du meinen sächsischen Wickelkloß kennen würdest, tätest Du anders reden, meinte sie. Und da ich nicht gerne hintendran stehe, setzte ich noch eins drauf. Ihr solltet mal meine Thüringer Klöße essen, sagte ich, einfach göttlich. Nachdem wir eine Stunde gestritten hatten, vereinbarten wir einen kleinen Wettbewerb. Jeder sollte zehn Portionen kochen und die wollten wir dann von Nachbarn verkosten und bewerten lassen. Schließlich sollte das Ergebnis objektiv sein. Die Ilse machte zu ihren Hoorischen wie üblich Specksahnesauce und Sauerkraut. Die Moni schaffte sich an ihrem Wickelkloß: Den Teig mit Ei, Mehl, Salz und Muskat versehen, ausrollen, mit ausgelassener Butter bestreichen und mit Semmelbrösel bestreuen, wickeln und in Kloßgröße schneiden. Dazu machte sie Gulasch. Mein Rezept dagegen war einfach - denn schließlich heißt es ja auch nicht umsonst, dass die einfachste Lösung die beste ist. So rieb ich zwei Drittel der Kartoffeln, kochte das andere Drittel zu Brei und übergoss den ersten Teil, dabei laut den Spruch rufend: Es wird, es wird, es wird! Der Eingeweihte weiß, dass das ein Zauberspruch ist, der die Kloßmasse zu einem einzigartigen Erlebnis verbinden soll. So war es auch - ich jedenfalls fand meine Klöße göttlich. Dazu gab es leckere Rouladen. Um das alles abzurunden, servierte ich dazu einen teuren Rotwein und als Nachtisch einen schmatzigen Kaiserschmarrn. An so etwas hatten meine beiden Rivalinnen nun gar nicht gedacht - sie waren der Ansicht, es ginge nur um die Klöße. Da war das Geschrei plötzlich groß und mir wurde wieder einmal Hinterhältigkeit vorgeworfen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nachdem unsere Nachbarn unseren Wettbewerb mit acht zu zwei Punkten eindeutig für mich entschieden hatten, warfen Ilse und Moni ihre letzten Hoorischen und Wickelklöße wutentbrannt nach mir. Tja, verlieren will eben auch gelernt sein. Zumal, wenn man gegen die Königin der Klöße - und natürlich auch der Kochkunst - antritt. In einem Punkt waren die beiden vielleicht aber wirklich besser als ich. Ihre Klöße waren ein bisschen runder als meine. Dass sie dafür ein Stabilisierungsmittel für Tierfutter einsetzen, darf ich allerdings keinem verraten.