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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Was war auf der A7 los?

Januar 2018

Monatelang hatte ich die Verkehrsvorhersagen über Staus auf deutschen Autobahnen analysiert, ehe ich mich für einen Urlaubsort über Silvester und Neujahr entschied. Nach München oder noch weiter zum Skifahren in die Alpen wollte ich seit Jahren schon einmal fahren, aber die Nachrichten machten mir da keinen Mut. München - Salzburg. Tauern-, Inntal- oder Brennerautobahn. Alles verstopft, stundenlanges Warten - das wollte ich mir wahrhaftig nicht antun. Sollte ich es über die A2 versuchen? Aber wenn das Radio lief, hieß es ständig, zwischen Irxleben und Eilsleben sei der Teufel los. Also doch lieber Richtung Hamburg? Aber auch hier schockierten mich regelmäßig die Informationen über das Dreieck Wittstock/Dosse oder die Anschlussstellen Herzsprung und Kremmen. Also beschloss ich, eine Strecke zu wählen, die ich gut über Landstraßen erreichen konnte. Dafür hatte ich die dänische Nordsee angepeilt - zeitmäßig noch gut erreichbar. Mit viel Akribie gab ich per Hand eine Route in mein Navi ein, die mich über idyllische Straßen führen sollte. Die Fahrt sollte zwar wesentlich länger dauern als die schnellste Route über die Autobahn, versprach aber Entspannung und Abwechslung. Nach mehr als fünf Stunden Landstraße fühlte ich nichts von der erwarteten Harmonie und Ruhe. Ständig fuhr ein Laster vor mir und ich war vor jedem Überholen so angespannt, dass mein Kopf schon brummte und mir die Schultern weh taten. Vielleicht hätte ich doch meine Flugangst überwinden und Italien oder die Kanaren buchen sollen? Für heute zu spät! Plötzlich kam eine große Baustelle und wir wurden umgeleitet. Nun kam ich auf eine zweispurige Straße, die ziemlich leer war - und auf einmal ging es flott voran. Mit zunehmendem Fahrspaß kam auch schon die dänische Grenze und ich kam auf eine dänische Autobahn, die mich nun schnurstracks zu meinem Urlaubsort führte. Kaum angekommen, wollte ich erst einmal das Geheimnis lüften, wo ich in Deutschland so schnell vorangekommen war. Aber das konnte ich nun fast nicht glauben - es war die A7, eine der stauträchtigsten Autobahnen im Lande. Gerade hier also hatte ich so viel Fahrspaß wie schon seit Jahren nicht mehr! Sollte mir das etwa zu denken geben? Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, mich künftig nicht mehr um das ganze Drumherum und das Gerede der anderen zu kümmern, sondern meinen Urlaubsort nur noch nach meinen Sehnsüchten festzulegen.