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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Ich kauf mir eine Pekingente

Januar 2017

Ein Haustier wünsche ich mir eigentlich schon lange. Als Kind hatte ich zwar einmal einen Goldhamster. Aber eines Tages musste ich ihn beim Rundendrehen in seinem Rad zu sehr angespornt haben. Jedenfalls lief er am nächsten Tag nicht mehr rund – ehrlich gesagt, er lief gar nicht mehr. Danach bekam ich noch einmal eine Schildkröte als Geburtstagsgeschenk. Irgendetwas musste ich bei den Pflegehinweisen jedoch falsch verstanden haben. Denn sie erwachte nicht wieder aus ihrem Winterschlaf, obwohl ich sie tief genug in der Sandkiste eingebuddelt hatte. Das sprach sich wohl in der Verwandtschaft herum – jedenfalls bekam ich von da an kein Haustier mehr geschenkt. Nur noch eine Aufziehmaus von meiner Oma Emilie und ein Schaukelpferd von meinem Patenonkel Helmut. Kein Wunder also, dass in mir immer wieder einmal der Wunsch nach einem tierischen Begleiter aufflackerte. Ein Pferd scheiterte an den hohen Kosten. Eines Tages war ich schon drauf und dran, mir einen Hund zuzulegen. Susi aus dem zehnten Stock hatte mich auf diese Idee gebracht. Versuch es doch mal mit einem Blindenhund, sagte sie, die sind immer bestens erzogen. Das gefiel mir – da würde ich mich mütterlich kümmern können. Denn so ein blinder Hund findet sich ja noch schlechter im Alltag zurecht als ein Mensch, schon, weil er mit einem Stock nicht richtig umzugehen weiß. Aber der Betreuungsaufwand hielt mich dann doch von der Anschaffung eines Hundes ab. Der Gedanke, einen tierischen Freund zum Quatschen zu haben, ließ mich jedoch nicht mehr los. Vielleicht ein Papagei? Aber da kamen mir gleich in zwei Richtungen Bedenken. Erstens, dass er bei meinen Freundinnen Geheimnisse ausplaudert, die mir unangenehm wären. Und zweitens, dass er mehr redet als ich. Auch zu Fischen konnte ich mich nicht überreden. Sie sollen zwar sehr pflegeleicht sein, alle paar Tage ein bisschen Futter ins Wasser geben – und gut. Aber zum Glück fiel mir noch ein, dass man ständig das Wasser wechseln und das Aquarium putzen müsste. Das wollte ich mir nun auch nicht antun. Und ehe ich auf die Idee hätte kommen können, mir eine Katze zu kaufen, wurde meine Freundin Daggi von ihrer ach so zahmen Mieze so toll gebissen, dass sich noch heute bei jedem Wetterumschwung ihre Narben melden. Von der Anschaffung einer Katze war ich also a priori geheilt. Eine Lösung für meine Tierliebe ergab sich dann rein zufällig, als ich eines Tages mit einigen Freundinnen wieder einmal bei meinem Lieblingsasiaten zum Mittagessen war. Zur Feier des Tages hatten wir uns eine ganze Pekingente gegönnt. Schon die Wartezeit auf dieses leckere Essen ließ uns zu Höchstform auflaufen und wir hatten einen wahnsinnigen Spaß. Das Essen selbst war Genuss pur. Da sagte auf einmal eine Stimme in mir: Hermine, was willst Du Dich eigentlich ständig mit einem eigenen Haustier rumärgern? Du schränkst Dich in Deiner Bewegungsfreiheit ein und gibst eine Menge Geld aus. Wenn Dich die Tierliebe einmal ganz gewaltig übermannen sollte, dann kannst Du Dich auch temporär einem Tier widmen. So wie jetzt eben. - Seither halte ich es auch so. Ich streichle die Katzen in meinem Bekanntenkreis, nehme mal einen Wellensittich für eine Woche zu mir oder führe den Hund der Nachbarin aus. Aber wenn mir der Sinn nach etwas Eigenem steht, dann hole ich mir eine Ente. Denn nicht umsonst heißt es: Ente gut – alles gut!