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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Ich habe einen Weber-Grill

August 2016

Heute weiß ich gar nicht mehr, wer mir den Gutschein geschenkt hatte – zur Teilnahme an einem Grill-Lehrgang für Profis. Es sollte eine kulinarische Reise durch die internationale Grill- und Barbecuewelt mit einem bekannten Markenhersteller werden. Natürlich mit Holzkohle und nur mit Fleisch. Schließlich ist Tomaten- und Paprikagrillen weder eine Herausforderung noch eine Kunst. Egal, wie schwarz es wird – es schmeckt immer noch besser als ein Tofuschnitzel oder eine Sojawurst. Nach dem Lehrgang machte ich mich gleich auf die Suche nach einem guten Grill. Aber allein die Auswahl war – zumindest für mich – fast eine Wissenschaft. So wie der Golfprofi vor jedem Schlag wissen muss, nach welchem Eisen er zu greifen hat, sollte ich nun zielsicher den geeigneten Grill für mich finden. Und das, obwohl ich noch nicht einmal richtige Unterschiede zwischen Modellen wie Spirit, Master-Touch, Performance oder Q 2000 erkennen konnte. Schließlich siegte auch bei dieser Entscheidung mein soziales Herz und ich kaufte mir ein kleines Dickerchen – einen 57er Kugelgrill. Mit der 57 konnte ich zwar nichts anfangen – für das Baujahr war er zu neu, für den Durchmesser zu groß und für das Gewicht zu leicht. Jedenfalls beschloss ich, mein erlerntes Wissen anzuwenden und meinem gesamten Hausaufgang ein fleischliches Erlebnis zu bescheren. Meckerer sollten bereits am Tatort abgeschreckt werden – ich hatte einen großen Aufkleber mit der Aufschrift „Veganer Klappe halten“ am Grill befestigt. Meine Nachbarn saßen bereits um den Grill herum, als ich noch beim Anfeuern war. Ich hatte die untere Hälfte des Grills gut mit Holzkohle bestückt – erstaunlich, was so alles in eine Halbkugel passte. Schließlich war es so viel, dass ich vier Flaschen Grillanzünder brauchte, um das Material genügend zu tränken. Erst passierte gar nichts – aber dann ging es los: Der Grill fing an zu pfeifen und zu wackeln, bis er auf einmal abhob, wie eine Kanonenkugel gen Himmel sauste und von oben den gesamten Dreck über meine Gäste entleerte. Zum Glück kam niemand ernsthaft zu Schaden. Aber es war halt wieder einmal so weit. Statt von allen gelobt zu werden, war ich erneut der Buhmann im Haus. Aus dem Fleisch machte ich am nächsten Tag einen Riesentopf voll Gulasch und konnte mein Ansehen so wieder ein bisschen aufbessern. Und mein Grill? Nun ja, Beine und Grillrost waren noch voll intakt und stabil. Nur die Kugel hatte es komplett zerfetzt. Vielleicht war die 57 ja ein Hinweis auf die Explosionskraft. Wegwerfen wollte ich die Reste des Grills natürlich nicht – und so baute ich ihn als findige Bastlerin zu einem Webrahmen um. Denn dieses Handwerk wollte ich schon immer einmal erlernen. Einen passenden Namen für das neue Gerät fand ich dann auch ziemlich schnell: Weber-Grill.