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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Die heiße Schlacht am kalten Buffet

Dezember 2016

Vor kurzem war ich mal wieder auf meiner Lieblingsinsel Urlaub machen – na klar, auf Mallorca! Komischerweise ist das für viele Mitbürger immer noch identisch mit Ballermann, Komasaufen und Wollust wie im Alten Rom. Natürlich kommt so ein verrufener Ort auch für mich nicht in Frage – da gibt es noch viele Kriterien und Filter zu überwinden, ehe ich mich endgültig für einen Urlaubsort entscheide. Überlaufen sollte er nicht sein, keine Hochhausbettenburgen aneinanderreihen – und möglichst sollte man nicht auf allzu viele Landsleute treffen. Seit ein paar Jahren versuche ich auch, die Bewertungen über Ort und Hotel mit einzubeziehen, sie richtig zu deuten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. So kam ich nun letztens in ein schönes Hotel mit dem vielversprechenden Namen La Olè. Alles stimmte – vom Meerblick bis zur Mischung des Publikums. Die Landsleute waren fast ausschließlich Schwaben und gingen daher schon rein sprachtechnisch als Ausländer bei mir durch. Was mich aber besonders gelockt hatte, waren die Lobeshymnen auf das abendliche Buffet. Am ersten Abend erschien ich schon fünf Minuten vor der Öffnungszeit – schließlich wollte ich ja vor vollen Töpfen und Schüsseln stehen. Als ich reinkam, waren schon fast alle Tische besetzt, am Kaffeeautomaten stand eine lange Schlange und an der Ausgabe für die warmen Speisen stand ein Schild „Wegen Krankheit des Koches eingeschränkter Betrieb“. Was sollte das, war ich im falschen Film? Na gut, kann ja nur besser werden, sagte ich mir. Dann isst Du Dich am ersten Abend eben mit spanischer Salami und Schinken voll. Als ich dort ankam, teilten gerade zwei Männer – die allerdings das Gewicht von acht besaßen – die Bestände unter sich auf. Auf mein zaghaftes „Könnten Sie mir vielleicht auch ein paar Scheiben davon rüberreichen?“ bekam ich die schroffe Antwort „Mir gebbed nix!“ Mein Hungergefühl wich nun langsam der Ernüchterung. Sollte ich mich so vertan haben? Am nächsten Abend war es sogar noch schlimmer. Ein Wasserrohr in der Küche war geplatzt, als Essen gab es nur eine Notration und zum Sitzen musste man anstehen, weil nur noch acht Tische im Trockenen standen. Nun ging ich also noch einmal auf die Website des Hotels und las die ganzen Beurteilungen erneut. Warum zum Teufel bemerkte ich den ironischen, teilweise sogar zynischen Unterton bei all den Lobpreisungen erst jetzt? Mein Abendbrot nahm ich in den nächsten Tagen nur noch in den zahlreichen Gaststätten der Umgebung ein. Aber so lecker es da auch war, so teuer war es auch. Denn das Abendessen ab meinem dritten Tag kostete mehr als mein gesamtes Urlaubspaket. Am Ende meines Urlaubs war ich also pappesatt und beschloss: Im nächsten Jahr nehme ich ein Ferienhaus und koche selbst!