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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Coffee & Co. to go

Oktober 2016

Nur Coffee to go, das war einmal. Heute dagegen gibt es so ziemlich alles to go: Pizza, Suppe, überdimensionierte Leberkäs-Semmeln mit unendlichen Mengen Senf und und und. Die wenigsten Mitbürger essen dann ihr Togo einfach so beim Gehen – nein, der beliebteste Platz zum geräuschvollen Verzehr scheinen inzwischen die öffentlichen Verkehrsmittel zu sein. Da wird dann gespeist, als wäre man ganz allein auf weiter Flur. Dabei wird getropft und gekleckert, dass die Bahnen eigentlich fünfmal so viele Reinigungskräfte bräuchten wie noch vor ein paar Jahren. Was ich neulich in der U-Bahn erlebt habe, das hat dem Fass wirklich fast den Boden ausgeschlagen. Mir gegenüber saß ein junger Mann mit einem kleinen Köfferchen auf den Knien. Plötzlich, bei voller Fahrt, öffnete er es und zauberte eine Bratpfanne und einen Gaskocher hervor. Zündete diesen an und begann ganz unbekümmert, sich ein Spiegelei mit Speck zu braten - mitten im U-Bahnabteil! Begeistert sah er zu, wie das Fett spritzte und fröhliche Ei- und Speckstückchen durch die Gegend flogen, die sich auf den Kleidungsstücken der Mitreisenden verteilten. Zum Glück war ich gerade auf dem Nachhauseweg und konnte gleich unter die Dusche gehen. Auf Arbeit oder zu einem Besuch hätte ich mich so nicht getraut – ich sah aus wie ein Schwein, das sich gerade gesuhlt hatte. Wieder einmal erwischte ich mich dabei, wie ich dachte: Früher gab es so etwas nicht, da hatten alle noch Manieren! Dummerweise erinnerte ich mich in diesem Moment an eine meiner Phasen, in der ich Bekannte und Fremde gleichermaßen mit meiner Ungeschicklichkeit - oder sollte man es Dödligkeit nennen? - beglückte. Vom Heißen-Kaffee-in-den-Ausschnitt-Schütten bis Den-Windbeutel-ins-Gesicht-Drücken. Na gut, das war früher. Vergessen und vorbei. Aber diese Togo-Bewegung - wo kam die wohl plötzlich her? Ob das wohl etwas mit dem afrikanischen Land Togo zu tun hatte? Ich beschloss, meine Wissenslücke an dieser Stelle zu schließen. Vielleicht ist das dort ein ganz eiliges Volk, immer auf Achse und somit ohne Zeit, einmal in aller Ruhe am Tisch zu speisen? Das mit dem Tisch erwies sich schnell als Irrtum. Aber dann wurde ich fündig. Denn in Togo wird typischerweise mit der Hand gegessen. Dazu nimmt man ein kleines Stückchen Fufu - also einen festen Brei aus Yams und Kochbananen - in die rechte Hand. Das formt man zu einem Bällchen, drückt mit dem Daumen eine kleine Vertiefung hinein und kann so sein Gemüse löffeln. Gut, dass sich das bisher noch nicht bis zu uns herumgesprochen hat. Wenn alle, die noch nicht einmal ihren Döner oder ihr Pizzastückchen zusammenhalten können, eines Tages auf echte Togo-Kost umsteigen sollten - dann können wir normalen Fahrgäste uns aber eine Pfeife anstecken!