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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Das große Latrinum

23.02.2015

Dass ich ein außerordentlich sprachbegabter Mensch bin, muss ich sicher nicht extra erwähnen. In Englisch, Französisch, Spanisch oder Holländisch kann ich mich zu jeder Zeit ein bisschen verständlich machen. Im Urlaub zum Beispiel locker ins Gespräch kommen mit Sätzen wie Kleine potjes hebben grote oren, auf Deutsch: Kleine Töpfe haben große Henkel oder Het leven is geen zoete krentenbol, was soviel heisst wie: Das Leben ist kein Rosinenbrötchen. Mit dem Satz Wie boter op het hoofd heeft, moet uit de zon blijven kommt man auch immer gut ins Gespräch - das heißt so viel wie: Wer Butter auf dem Kopf hat, sollte die Sonne meiden. Wie gesagt, das alles fällt mir nicht schwer. Fließend zuhören kann ich sogar in fast jeder Sprache. Nur bei eintönigen Stimmen steige ich zeitig aus, weil mir die Augenlider zuklappen. Mit einer Sprache allerdings hat es bei mir bisher noch nicht so richtig geklappt – mit Latein. Wahrscheinlich war mein Respekt vor dieser alten, ehrwürdigen Sprache zu groß. Zumal sich ja auch Ärzte und Juristen so verständigen. Und ein richtiges Lehrbuch, welches mir die Furcht vor dem Erlernen wenigstens etwas nahm, hatte ich noch nicht gefunden. So in der Art wie Latein ganz nebenbei, Latein im Handumdrehen gelernt oder Latein to go. Aber dann fiel mir doch die richtige Lektüre in die Hand – Küchenlatein. Das war es! Zumal ich mich in meiner Küche mehr als im Wohnzimmer oder anderswo aufhalte. Frisch ans Werk, sagte ich mir und legte das Buch offen neben den Herd. Gleich der erste Satz machte mir Mut: Sit a us vi late in, iste sabernit - Sieht aus wie Latein, ist es aber nicht. Das war ganz nach meinem Geschmack, so würde das Lernen Spaß machen. Ich malte mir schon aus, wie ich beim Kaffeekränzchen, bei Geburtstagsfeiern oder einfach beim Schwatz auf dem Flur locker meine neuen Kenntnisse einflechten würde. Gleich Uschis Geburtstagsrunde unten bei uns im Cafe nutzte ich, um mein neues Wissen anzuwenden. Nach zwei, drei Einwürfen war meine Bildung das Thema, allerdings kippte die Stimmung, als alle den Satz verstanden haben wollten, den ich zu Gerda sagte, als sie mir heißen Kaffee über meinen Rock kippte: Duo pistus sowaxum doofum. Noch schlimmer war es allerdings im Supermarkt, als ich mich über die Verkäuferin ärgerte und sagte: Dax sono nullum hiero arbei tenum darfix! Sie schrie mich an, schloss die Kasse und ging. Eine tote Sprache bringt doch nur Ärger ein, dachte ich mir. Nichts als Mißverständnisse statt anerkennender Blicke. Aber pfiffig wie ich bin, stürzte ich mich nun auf Finnisch, das fast jeder wegen der langen Wörter und der vielen ääs, öös und üüs für fast nicht erlernbar hält. Aber unter uns, mir erschien es gar nicht so schwer – heißt doch zum Beispiel Mutter mutteri, Post posti, Bus bussi, Kaffeepause kahvipaussi. Aber dann hat mich ein Finne gefragt, was denn Kuka määrittää kielen, mutta he eivät halua oppia, sinun pitäisi valita jotain muuta kuin suomea heißen würde. Ich zuckte hilflos die Schultern und er antwortete: Wer mit der Sprache angeben, sie aber nicht lernen will, sollte etwas anderes als Finnisch wählen. Nun habe ich beschlossen, es erst einmal mit einem einheimischen Dialekt zu versuchen.

Montag, der sechzehnte

Februar 2015

Es passiert mindestens einmal im Jahr – höchstens aber drei Mal: dann haben wir einen Freitag, den dreizehnten. Nicht wenige meiner Mitmenschen glauben, dass an diesem Tag besonders viele Unglücke passieren – und natürlich es auch sie treffen könnte. Wahrscheinlich hat unser Haus deswegen auch nur zwölf Etagen und nicht dreizehn. Es gibt aber auch zu viele Beispiele, die den Freitag, den 13. als Unglückstag bestätigen. An diesem Datum wurde Jesus gekreuzigt. Adam und Eva nach dem Sündenfall aus dem Paradies vertrieben. Der große Börsenkrach von 1929 brachte die Welt an den Abgrund. Und der Komponist Arnold Schönberg, berühmt für seine Zwölftonmusik, lebte sein gesamtes Leben in der Angst. Er war sich sicher, dass er an einem Freitag, dem 13., sterben würde. Als er 76 Jahre alt wurde, wusste er, es ist bald so weit. Seine Begründung: 7 plus 6 ergeben in der Summe 13. So kam es dann auch - er starb am 13. Juli 1951. Man sagt, es war 13 Minuten vor Mitternacht. Wissenschaftlich soll sich das alles wohl gar nicht beweisen lassen. Angeblich passieren nicht mehr schlimme Dinge als an jedem anderen Tag auch. Mein Gemüts-Coach hat mir jedenfalls gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen. Im Gegenteil, es hätte sogar etwas Gutes für sich. Wenn an diesem Tag etwas schief gehen würde, könnte ich ganz entschuldigend sagen: Sorry – dafür kann ich nichts. Freitag, den 13., trifft die Schuld. Ich hatte mir auch schon überlegt, ob es gar nicht die Kombination von Tag und Zahl ist, sondern in erster Linie die 13, die Böses hervorbringt. Man denke nur an die dreizehnte Fee, beim Tarot ist die 13 der Tod, 13 Teile nennt man Teufelsdutzend. In Spanien, Griechenland und Lateinamerika ist nicht der Freitag, sondern der Dienstag, der 13., mit Pech und Unglück behaftet. In Italien ist wieder alles ganz anders: hier ist zwar der Freitag ein Unglückstag - allerdings nur dann, wenn er auf einen 17. fällt. Na ja, man macht sich eben so seine Gedanken. Aber dann kam dieser Montag, der 16. Am Freitag war gar nichts passiert, aber an diesem Montag vergaß Frau Menkers, das Bügeleisen auszuschalten. Herr Mumps wurden alle Ausweispapiere und Kreditkarten gestohlen. Frau Mölders verlor ihren Job – und ich brach mir den Arm, als ich versuchte, eine Briefmarke aufzukleben. Jetzt weiß ich, welcher Tag wirklich gefährlich ist! Aber letztendlich sollte mir das alles egal sein – denn eigentlich bin ich ein Sonntagskind.