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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Schon wieder dreißig!

Dezember 2015

Nicht, dass hier jemand denkt, ich hätte ein Problem mit meinem Alter! Aber als einfühlsame und ordentliche Dame kokettiert man eben doch mit der Zahl der Kerzen auf der Torte. So richtig nachprüfen kann das ja eh keiner – und aufschneiden und die Jahresringe nachzählen, das wird einem wohl keiner antun. So sage ich nun seit – nun ja, so einigen Jahren halt - ich hätte meinen Dreißigsten. Das Schöne daran ist, dass die Geschenke zu einem runden Geburtstag etwas üppiger ausfallen. Das Schlechte daran ist, dass ich zum Runden auch mehr ausgeben muss. Inzwischen ist es aber sogar meinen hartgesottenen Freundinnen aufgefallen, dass da etwas nicht stimmen kann. Brunhilde fragte mich unverblümt, bei welchem Zusatzbuchstaben ich inzwischen angelangt sei – es müsste mittlerweile doch schon R oder so sein. Sie schätzte mich auf wenigstens Ende vierzig – und dabei hätte sie schon meine Falten und meinen schleppenden Gang auf dem Flur ausgeblendet. Ich schluckte den Ärger erst einmal runter und revanchierte mich eine Woche später zu ihrem 45. Geburtstag. Meine Geschenke waren eine Flasche Sekt mit dem Etikettenspruch „Endlich Rentner“, das Buch „Ich will aber keinen Seniorenteller“ und ein Schnupperkurs beim Kegelklub 65 plus. Ich hatte ja mit allem gerechnet, aber nicht mit dieser Reaktion. Brunhilde schleppte mich in den Keller und sperrte mich dort in einem Verschlag ein. Dann rief sie die Polizei wegen einer Einbrecherin ins Haus. Denen erzählte sie, ich wäre verwirrt, trüge ein großes Messer mit mir rum und sei allgemeingefährlich. Aber sie würde mich flüchtig kennen, denn ich wäre in der Gegend dafür bekannt, dass ich ab und an in einer hochaggressiven Phase aus dem Seniorenheim ein paar Häuser weiter ausbüxen und Unheil in der Gegend stiften würde. Natürlich lieferten mich die hilfsbereiten Polizisten auch im Seniorenheim ab, Brunhilde kam als hilfsbereite Zeugin mit. Und dann passierte das, was sie sich auch erhofft hatte. Die Leiterin des Seniorenheimes wusste mit mir nichts anzufangen, sagte, sie hätte mich noch nie gesehen. Und so kam es, dass die Polizisten erst einmal meine Daten aufnahmen – meinen Personalausweis fanden sie in der Handtasche. Nun würden meine Freundinnen erfahren, wie alt ich wirklich war – welche Schande! Brunhilde gaggerte vor sich hin, als sie mein Alter erfuhr – ausgerechnet sie! In einer Stunde spätestens würden alle Bescheid wissen. - Welche Lehre ich daraus gezogen habe? Nächstes Jahr feiere ich meinen vierzigsten Geburtstag – zum ersten Mal.