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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Handtasche á la card

28.04.2014

Da hatte die Polizei doch letztens eine Freundin von mir, die blonde Uschi, 24 Stunden in Untersuchungshaft genommen. Sie wurde verdächtigt, in einen Mordfall verwickelt zu sein. Wie das kam? Man fand ein grünlich-schleimiges Fleischbündel in ihrer Handtasche und glaubte, dass es sich dabei um die Trophäe eines Serienkillers handeln könne. Zum Glück aber kam bei der Untersuchung heraus, dass es nur ein Kilo Hackepeter war, welches sie seit zwei Wochen völlig vergessen hatte und das seither vor sich hin verweste. Ein Glück für sie – aber ich dachte gleich an das Image von uns Frauen und dass man dadurch nur solche Vorurteile bediente, dass es in unseren Handtaschen schlimmer aussehen würde als bei Hempels unterm Bett. Also beschloss ich, eine Studie bei uns im Haus durchzuführen, die genau das Gegenteil beweist. Ich lud der Reihe nach 20 Probanden auf ein Käffchen ins Cáfe um die Ecke und setzte darauf, dass jede der Damen mindestens einmal auf Toilette müsste. Geh nur, sagte ich dann, auf deine Handtasche passe ich derweil auf. Das klappte auch – und so konnte ich ungeniert kundschaften. In der Tasche der flotten Isolde fand ich vor lauter Gerümpel erst einmal nichts. Doch dann – ein Fläschchen mit Ko-Tropfen. Hing wohl zusammen mit ihren häufigen Discobesuchen, jetzt wusste ich auch, woher der Spitzname Abschleppdienst rührte. Die Nächste war Roswitha, eine schon ältere, gemütliche Dame. Bei ihr fand ich vor lauter Glückssteinen, Tarotkarten und ähnlichen Dingen nicht einmal den üblichen Taschenkram - den hatte sie völlig untergemüllt. Die geheimnisvolle Nicole aus der obersten Etage hatte die Tasche voller Ratgeber: Psychotest für die Geliebte. Was tun gegen eifersüchtige Katzen? Immer Pech – was kann ich tun? Kein Wunder, dass sie immer neben sich steht, wenn sie alle diese Ratschläge berücksichtigt. Die Tasche von Ramona, einer Powerfrau aus unserem Haus, glich einem Überlebenspaket. Mehrere Ausweise und eine Vielzahl von Kreditkarten – alle selbstverständlich auf einen anderen Namen. So viel wollte ich über Handtaschen – und geschweige denn über meine Nachbarn - nun auch nicht wissen. Nach der nächsten Handtasche, sie gehörte der liebenswürdigen Ulrike, brach ich mein Unternehmen ab. Denn hier fand ich zwischen Pillendöschen und Arzneiflaschen, Handy und einem riesigen Verpflegungspaket eine Pistole. Wie sollte ich mich nur verhalten? Die Polizei rufen oder eine anonyme Anzeige aufgeben? Was hatte Ulrike bloß vor – und was hatte sie bereits hinter sich? Ich war noch am Überlegen, da kam sie schon zurück. Jetzt erst mal ein Zigarettchen, sagte sie. Fasste in die Tasche – und zog die Pistole heraus. Ich wollte schon die Hände heben, da zündete sie sich damit die Zigarette an. Tolles Spielzeug, nicht wahr Hermine? Sieht aus wie echt. Nun sage ich nichts mehr zum Thema Handtaschen von Frauen. Nur dann, wenn mir mal jemand über die Schulter schaut und in meine Tasche späht, rufe ich: Das ist nicht das, was Sie denken – das sieht nur so aus!

Wie ich fast gefastet hätte

22.04.2014

Jedes Frühjahr das gleiche Spiel. Von allen Seiten hört man fasten, fasten, fasten. Das große 12-Tage-Programm einer Frauenzeitschrift verspricht mir, den Körper von überflüssigem Ballast zu befreien. Eine Unzahl neuer Bücher zum Thema prophezeit mir enorme Gewichtsverluste, verbesserte Blutfettwerte und gute Laune. Und natürlich meine Freundinnen, die wochenlang scheinbar kein anderes Interesse mehr haben. Jeder dritte Deutsche soll inzwischen von dieser Welle erfasst sein. Viele wollen auf Alkohol verzichten und bis Ostern nur Bier trinken. Im Kommen ist auch der Verzicht auf Süßigkeiten, Fleisch und Zigaretten. Irgendwie war auch ich von diesem Hype angesteckt, war mir aber noch unschlüssig, auf welchem Gebiet ich zuschlagen sollte. Ein paar Pfunde weniger waren schon verlockend. Auch meine Blutwerte hatten noch Potential, verbessert zu werden. Aber dafür auf meine Lieblingsspeisen verzichten? Auf ein Likörchen beim Kaffeekränzchen? Oder ganz und gar auf Schokolade oder meine geliebten Gummibärchen? Da musste schon etwas anderes her. Schließlich ist das Wichtigste beim Fasten ja, dass man Teil der Bewegung ist, also mitreden kann. Egal, wie man fastet. Da kamen mir schon eher neue Trends entgegen wie Smartphone-, Internet-, Tablet- oder Fax-Fasten. Ich musste aber nicht lange nachdenken. Mein grenzenloses Mitteilungsbedürfnis nicht nur für einen Moment zurückzuschrauben, sondern eine Weile ganz einzustellen – also dieser Verzicht wäre mir ja noch schwerer gefallen. Also was tun? Eine strikte Pinguin-Diät machen – nichts essen, wo Pinguin drin oder dran ist? Oder einfach einmal 40 Tage auf Champagner oder Kaviar verzichten? Aber das mitleidige und überlegene Lächeln meiner Freundinnen wollte ich mir auch nicht zumuten. Da stieß ich auf die diesjährige Forderung des BUNDES zum Plastikfasten – das war ganz nach meinem Geschmack. Sieben Wochen lang auf Plastiktüten verzichten, Verpackungen in den Läden zurücklassen, zu Produkten ohne Plastikverpackung greifen, Getränke in Mehrwegverpackungen vorziehen – das würde ich doch locker schaffen. Aber schon nach einer Woche merkte ich, dass ich ständig gegen diese Grundsätze verstoßen hatte. Man ist eben doch ein Gewohnheitstier. Dann erfuhr ich von einer ganz neuen Methode, dem Fastenfasten. Hierbei verzichtet man bewusst auf jegliche Form des Fastens mit all seinen positiven Wirkungen. Das ziehe ich jetzt schon erfolgreich seit drei Wochen durch. Und wissen Sie was? Für die Fastenzeit im nächsten Jahr habe ich somit auch schon meine Methode gefunden. Vor allem aber kann ich wieder von Anfang an mitreden.

Na, wie war ich?

14.04.2014

Früher hörte man diesen Satz immer nur danach. Und nur vom jeweils momentanen Mann. Inzwischen, so ist zumindest meine Wahrnehmung, werde ich überall im Alltag von diesem Satz verfolgt. Bestelle ich mir eine Pizza nach Hause, übergibt mir der Pizzabote mit der Rechnung einen Fragebogen, wie ich ihren Service finde und ob es hoffentlich keine Verbesserungsvorschläge gäbe. Ich bin noch nicht mit meiner Pizza fertig, da klingelt das Telefon und der Pizzadienst ist dran. Ob ich denn den Fragebogen erhalten hätte und ob es noch Fragen zur richtigen Beantwortung gäbe. Man wünsche sich schließlich rundum zufriedene Kunden. Neulich hatte ich mein Auto zur Durchsicht. Es wurde doppelt so teuer wie erwartet und ich musste drei Tage warten, bis ich es wieder abholen konnte. Aber kaum war ich zu Hause, klingelte auch schon das Telefon und eine freundliche Stimme fragte, ob ich denn mit meiner Werkstatt auch, wie erwartet, absolut zufrieden sei. Zufrieden sei ja auch schon sehr gut, sagte ich. Doch damit wollte mich die Stimme nicht davonkommen lassen und erklärte mir, dass ich mit meiner Aussage zu ihrem Gehalt und damit zum Wachstum der Wirtschaft beitragen könne. Vor ein paar Tagen saß ich mit meiner Freundin Paula in einem Café. Nach einer viertel Stunde Wartezeit bekamen wir nicht einmal einen Fensterplatz, mussten eine gefühlte Ewigkeit auf unseren inzwischen kalten Kaffee warten und wurden abgewatscht, als wir uns beschweren wollten. Aber dann tauchte die Bedienung noch einmal auf, sch...freundlich und mit einer Karte in der Hand. Sie machten bei einem Wettbewerb mit und wollten kundenfreundlichstes Café der Stadt werden, sagte sie. Sie hätte die Karte schon einmal ausgefüllt – wir müssten nur noch unterschreiben. Letztens beschwerte ich mich bei der Post, weil die letzten acht Pakete in Folge nicht bei mir, sondern in der Poststelle abgegeben wurden. Angeblich war ich nicht zu Hause – aber es lag nur an der Faulheit des Postboten. Ich war schon ordentlich geladen, als ich mich beschwerte und den Vorschlag machte, mir ein paar Gutscheine zuzuschicken. Dann kam auch ein Brief und ich dachte, aha, haben sie es also eingesehen und sind auf deinen Vorschlag eingegangen. Aber was kam? Ein vierseitiger Fragebogen, wie ich ihren Kundendienst finde. Denn als Nummer 1 wären sie zwar sowieso die Besten, könnten aber gegebenenfalls hier und da doch noch ein kleines bisschen nachbessern. Als man mich dann sogar noch in meinem Supermarkt damit belästigte, wie gut sie denn seien, rächte ich mich. Ich machte früh kurz nach der Öffnung ein großes Schild an den Eingang „Heute wegen Inventur geschlossen“. Die Belegschaft wunderte sich über die ausbleibende Kundschaft und erst nach drei Stunden bemerkte ein Azubi das Schild. Mein Streich stand am nächsten Tag sogar in der Zeitung. Beim nächsten Einkauf fragte ich an der Kasse, ob mich denn keiner nach dem Service befragen möchte – ich hätte nämlich eine Beschwerde. Ich könne nicht nachvollziehen, wie so ein großes Geschäft mitten in der Woche für ein paar Stunden schließt.

Mein Nachbar, Herr Mops

07.04.2014

Letztens hatte ich mir mal wieder den Disney-Zeichentrickfilm „101 Dalmatiner“ angesehen. Noch nie zuvor war mir aufgefallen, wie ähnlich sich hier die Hunde und ihre Besitzer sind. Vom Körperbau über die Gangart bis hin zum Charakter. Es sah aus, als ob sich hier Mensch und Tier gesucht und gefunden hätten. Nun aber wollte ich in meiner Umgebung beobachten, ob das auch im Leben so ist oder ob sich da die Filmemacher wieder einmal etwas ausgedacht hatten. Beobachtungsmöglichkeiten rund um mich herum gab es jedenfalls in Hülle und Fülle. Als Erster lief mir der dicke Herr Murkel über den Weg, die Unterlippe hing bei ihm wie immer schlechtgelaunt bis fast über die Schulter. Kurz hinter ihm bog sein Hund um die Ecke – es war eine Bulldogge und die beiden sahen sich wirklich zum Verwechseln ähnlich. Eins zu Null, sagte ich mir, dann stimmt also diese Theorie! Auch meine weiteren Beobachtungen verstärkten meinen Eindruck, dass Hund und Herrchen oder Frauchen schon nach kurzer Zeit zu einer Einheit verschmelzen. Die gute Oma Wacker, nicht mal einsfünfzig groß, läuft schon seit ewig mit einem Dackel durch die Welt. Beide gleich groß und beide mit denselben O-Beinen. Oder Herr Bröders, ein Typ, der am liebsten die Beine hoch macht und schon Mittwoch Wochenende ruft. Er hat nicht nur einen Basset, er sieht auch selbst so aus. So verwundert es auch nicht, dass bei ihren kurzen Spaziergängen alle paar Minuten eine Pause fällig ist. Der Hund liegt dann faul und fix und fertig in der Gegend rum und das Herrchen macht eine kleine Zigarettenpause. Die Zöpfe der fröhlichen Frau Spießig sehen aus wie die Schlappohren ihres Cockerspaniels und unsere stark gewichtsreduzierte Frau Wuchtig hat genauso einen schmalen langgezogenen Schädel wie ihr Labrador Retriever. Herr Würdig, ein ehrbarer Managertyp aus der zehnten Etage, strahlt genauso wie sein Afghanischer Windhund Würde, Eleganz und Selbstsicherheit aus - ihr beider Markenzeichen ist ein ruhiges Wesen und ein federnder Gang. Und nicht umsonst hat unser Herr Press vom Finanzamt einen Dobermann – also einen temperamentvollen Hund mit Durchsetzungsvermögen, bei dem Bestechungsversuche völlig sinnlos sind. Aber dann geriet mir unsere gesundheitsbewusste Susi ins Visier und ich erkannte, dass meine Theorie nur auf Äußerlichkeiten beruhte. Denn Susi wollte ihrem Hund ihre Ernährungsgewohnheiten aufdrängen – also nur zwei Mal am Tag ganz wenig und nur vegetarisch essen. Das Ende vom Lied war, dass ihr Hund total ausflippte, nicht mehr gehorchte und auf dem Spielplatz Kinder jagte. Schließlich gab sie ihn im Tierheim ab. Da bleibe ich doch lieber gleich bei meinen Katzen – auch wenn die Leute sagen, die wären wie ich: kratzbürstig und eigenwillig.