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Energiekrise im Hause

Mai 2017

Eigentlich fing alles damit an, dass ich ein kleines Heimkraftwerk für meine Nichte basteln wollte. Als ich im Spielzeugladen nichts Praktisches für sie fand, fiel mir Heinrich Hoffmann ein. Ihm ging es seinerzeit genauso - und so schrieb und zeichnete er seinen weltbekannten Struwwelpeter. Da ich nun weder schreiben noch zeichnen kann, entschloss ich mich eben für ein Heimkraftwerk. Da lernt sie was für die Schule, kann vielleicht sogar einen Preis bei „Jugend forscht“ damit gewinnen. Es sollte also ein Bausatz werden, den sie später noch vervollkommnen und ständig umbauen konnte. Nun bastelte ich schon über ein viertel Jahr und befand mich in der letzten Phase, musste nur noch ein paar Korrekturen an der Sogturbine vornehmen, damit das abfließende Fluid die gewünschte Schallgeschwindigkeit erreicht. Denn auf diese Weise wird der Generator angetrieben und erzeugt mehr Strom, als er selbst verbraucht. Aber jedes Mal an diesem Punkt passierte es - es kam zu einer gewaltigen Überspannung und das ganze Haus lag im Dunkeln. Nun zerbasteln sich unsere Hausmeister und die Stadtwerke schon seit über zwei Wochen den Kopf, was da wohl die Ursache sein könnte. Da in der Zentrale und den gemeinschaftlichen Räumen alles in Ordnung war, begann man nun, die einzelnen Wohnungen zu checken. Was dabei alles zutage trat, man glaubt es kaum. Die Müllers hatten heimlich den Stromzähler der Wollnys angezapft und ihr Wohnzimmer- und Küchenstrom wurde schon seit Jahren von ihren Nachbarn gezahlt. Der alte Schmiedel hatte eins seiner Zimmer zu einer Bäckerei umgebaut - der komplette Strom lief über die Hausbeleuchtung. Womit ein weiteres Stromwunder im Haus aufgeklärt war. Aufgefallen war es bisher noch keinem, weil er Brötchen und Brot auf verschiedenen Märkten verkauft hatte. Wenn wir ihn mit großem Rucksack losziehen sahen, riefen wir höchstens hinterher „Na, heute wieder mal ein Wandertag eingeplant?“ In zwei oder drei Tagen werden sie meine Wohnung überprüfen - und nichts finden. Mein Kraftwerk steht nämlich seit gestern in der Gartenlaube einer guten Freundin. Passieren kann dort nichts - wenn hier die Sicherung durchfliegt, weiß ich wenigstens, wo ich sie wieder reinmachen kann.

Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Feg-News aus meinem Haus

April 2017

Seit Monaten höre ich nur noch Feg-News, Feg-News, Feg-News. Gefährlich sollen diese sein wie nichts zuvor. Sogar Regierungen sollen so schon an die Macht gekommen sein, die eigentlich gar keiner gewählt hat. Und nun die Angst bei uns im ganzen Land, wohin das alles noch führen soll. Natürlich habe auch ich da meine konkreten Vorstellungen. Denn jemand, der für andere ständig den Dreck wegmacht, erlebt den ganzen Mist, der ununterbrochen verzapft wird, ja im wahrsten Sinne des Wortes ganz hautnah. Wie sagt mein Lebenscoach immer so schön: Probleme, über die man nicht reden kann, kann man auch nicht verarbeiten. Warum also sollte nach den Butterbergen und Milchseen vergangener Zeiten nicht aktuell ein gewaltiges Müllgebirge entstanden sein? Da ist es doch gut, wenn unsere fleißigen Reinigungskräfte das endlich einmal alles abtragen. Dass es dabei nicht ohne Schimpfen abgeht, ist mir klar. Ich würde auch ständig meckern - besonders dann, wenn ich wüsste, von wem die schlimmsten Tretminen stammen, die ich beseitigen müsste. Zum Glück will man jetzt radikal gegen die Feg-News vorgehen - wer weiß, wie viele Putzfrauen dann künftig im Fegefeuer schmoren müssen! Mir persönlich wäre das alles sehr recht. Denn wenn die Reinigungskräfte wirklich die Meinungshoheit in meinem Haus besitzen sollten, wäre das ein echtes Konkurrenzproblem für mich. Nicht umsonst heißt es: Wer das Gespräch beherrscht, der besitzt die wahre Macht. Bisher habe ich mich für den heißesten Feger nicht nur in meinem Haus, sondern in der gesamten Nachbarschaft gehalten. Zumindest informationstechnisch. Wo immer ich auftauche, werde ich schließlich mit der gleichen Frage empfangen: „Na, Hermine, was gibt’s denn Neues?“ Und es gab und es gibt immer etwas Neues. Und es wird auch künftig immer etwas Neues geben, was bis dahin nur ich weiß. Also warum teilen, wenn man den ganzen Kuchen erst mal für sich allein haben kann? Egoismus kann mir jedenfalls keiner vorwerfen. Denn von meinem Informationskuchen gebe ich nicht nur großzügig ab, ich verteile sogar noch die letzten Krumen. Jedenfalls beschloss ich, erst einmal abzuwarten und Tee zu trinken. Eine neue Nachricht hat mich dann allerdings doch stark beunruhigt. Überall wird jetzt über Het-News geredet. So richtig kann ich mir unter diesem Begriff nichts vorstellen. Muss aber wohl aus dem Niederländischen kommen - und wenn ich Pech habe, ist das nur die Abkürzung für „Het buurman weet meer dan ik“ - also: Die Nachbarin weiß mehr als ich“. - Na dann aber – Prost Mahlzeit!