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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Selten so gelacht

Juni 2017

Eigentlich begann es damit, dass ich mal wieder etwas für meine Bildung tun und einen Kurs an der Uni belegen wollte. Etwas lernen, was meine kleinen grauen Zellen auf Trab bringt und hält. Natürlich nichts mit Zahlen, sondern etwas, wo man viel reden kann – also Geschichte, Literatur oder Soziales. Bei meiner Recherche stieß ich auf den Begriff Gelontologie. Das ist es, dachte ich mir. Ausgrabungen mit Steinen und Scherben interessierten mich seit meiner frühesten Jugend. Also meldete ich mich an. Begrüßt wurde ich von etwa zwanzig auf dem Fußboden liegenden Mitstreitern, die mich stakkatoartig meckernd empfingen. In der Mitte saß schallend lachend die Teamleiterin und gackerte mir ein kräftiges ho-ho-ha-ha entgegen. Wo war ich denn da hingeraten? Barfuß waren sie auch schon alle – sollten die Ausgrabungen etwa hier vor Ort im Saal stattfinden? Als ich nach einem Spaten fragte, wurde das Gelächter noch lauter. Die Chefin, Marbel Zellerie, klärte meinen Irrtum aber schnell auf. „Das einzige, was wir hier ausgraben, ist Fröhlichkeit, Leichtigkeit und Wohlbefinden“, erklärte sie. „Wir machen hier Lachyoga. Über ein anfangs künstliches Lachen kommen wir zu einem echten Lachen, verbinden das Ganze mit Klatsch-, Dehn- und Atemübungen. So kommen wir zu einer positiveren Grundstimmung, können freier und kreativer denken. Wer hier mitmacht, kann auch außerhalb unserer Seminare das Lachen kultivieren und täglich lachen.“ - Was soll`s, sagte ich mir und stieg mit ein. Obwohl mir grundloses Lachen, ohne Humor zu haben, schon ein bisschen merkwürdig vorkam. Nur durch Blickkontakt in einer Gruppe ein Lachen zu erzeugen, das sich verbreitet? Um das zu prüfen, unternahm ich einen Test im vollen Supermarkt. Würde es mir gelingen, in diese sauertöpfischen Mienen etwas Frohsinn zu zaubern, Gruppendynamik in die langen Warteschlangen zu bringen? Mein Lachen nach hinten wurde als Provokation empfunden, sogar Prügel wurden mir angeboten. Auch die Verkäuferin stieg nicht darauf ein, fragte nur, ob ich noch alle Tassen im Schrank hätte. Beim dritten Termin im Kurs wollte ich unserem grundlosen Lachen etwas entgegensetzen und erzählte einen Witz: Ein Mann und eine Frau sitzen zusammen im Restaurant. Plötzlich bekleckert sich die Frau und sagt: "Jetzt sehe ich ja aus wie ein Schwein!" - Darauf der Mann: "Und bekleckert bist du auch noch!!!" - Statt des erwarteten Gelächters starrten mich jedoch entgeisterte Augen an. Ob ich denn das Lachen gar nicht ernst nähme, wurde ich gefragt. Als ich doch, Lachen ist mir schon immer eine Herzensangelegenheit gewesen, sagte, glaubte mir keiner. Ich sollte mir etwas weniger Ernsthaftes suchen, meinte die ganze Gruppe, zum Beispiel Handy- oder Gummistiefelweitwurf. Seitdem bin ich Einzelkämpferin und jogge auf der Suche nach lustigen Momenten den halben Tag durch mein Wohngebiet. Wahrscheinlich bin ich auch hierbei ein Naturtalent, denn ich habe auch ohne Seminar ständig Grund zum Lachen. Weil mir einer einen Witz erzählt oder weil ich einen Witz erzähle – über den ich natürlich jedes Mal wieder herzhaft lachen kann. Oder einfach nur, weil das Leben ständig Situationen bietet, in denen man einfach loslachen muss. Obwohl es eigentlich zum Heulen wäre.