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Die Monats-Kolumne von Hermine Kümmerlinde

Aus die Maus?

April 2021

Meine Angst vor Mäusen begann irgendwann in der Kindheit. Anfangs fand ich die kleinen Tierchen ja noch possierlich, zumal meine Freundin Andrea zwei Tanzmäuse hatte. Aber dann war ich einmal mit meinen Großeltern auf ihrem kleinen Kartoffelacker zur Kartoffelernte unterwegs. Ich freute mich auf die Mittagspause, da mich eine Stulle ganz frisch aus dem Bäckerofen und dick belegt mit meiner Lieblingssalami erwartete. Als ich herzhaft zubeißen wollte, guckte zwischen den Salamischeiben ein freches Mäusegesicht hervor. Seitdem klappe ich jede belegte Stulle auf, bevor ich zubeiße. Und gehe Mäusen, wo auch immer sie mir begegnen könnten, so weit wie möglich aus dem Weg. Noch ein sehr unangenehmes Erlebnis hatte ich viele Jahre später. Meine alte Schulkameradin Evi hatte ein altes Landhaus kurz vor der Stadt gekauft und mich zum Kaffeetrinken eingeladen. Wir saßen gemütlich im Wohnzimmer, tranken ein paar Schnäpschen zum Kaffee und lachten über alte Geschichten aus der Schulzeit. Plötzlich knackte und wackelte es hinter der Tapete - wir dachten schon, wir hätten einen zu viel getrunken. Auf einmal platzte die Tapete gleichzeitig an mehreren Stellen und eine kleine Mäuseschar kam herausgekrabbelt. Sie hatten sich im Mauerwerk eingenistet und nun den Durchbruch ins Wohnzimmer geschafft. Geschafft waren natürlich auch Evi und ich - wir quietschten lauter als die Mäuseschar, stiegen auf den Tisch und warteten dort, bis Bodo, Evis Mann, nach Hause kam. Seitdem sehe ich auch immer unter dem Bett nach, ehe ich schlafen gehe, und klopfe ab und zu verdächtige Stellen an der Wand ab. Weiße Mäuse dagegen haben mir schon immer gefallen. Natürlich nicht die, die als Wahnvorstellung im Alkoholrausch auftreten, sondern die in Weiß gekleideten Verkehrspolizisten, die den Verkehr an jeder Straßenkreuzung stets im Griff hatten. Inzwischen habe ich sogar zu zwei weiteren Arten von Mäusen Vertrauen gefasst bzw. sogar eine Vorliebe dafür entwickelt. Bei erster handelt es sich um Computermäuse, aus denen ich alles raushole, was technisch so in ihnen steckt. Und zweitens sind es die Mäuse auf meinem Konto. Hier habe ich extra mal gegoogelt, wie schnell sich Mäuse vermehren. Ein einziges Mäusepärchen produziert bis zu 2.000 Nachkommen im Jahr. Wenn ich mir jedoch die Entwicklung auf meinem Konto ansehe, muss ich davon ausgehen, dass meine Mäuse Faultiere oder einfach nur Looser sind. Kurzum: Das ist zum Mäusemelken. Aber das überlasse ich dann doch lieber jemand anderem. Da beißt die Maus keinen Faden ab!